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Livres anciens et modernes

Sebald, Winfried G.

Die Ausgewanderten.

Frankfurt am Main : Eichborn, 2001.,

44,00 €

Bookshop Buch Fundus

(Berlin, Allemagne)

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Détails

ISBN
382184714X
Auteur
Sebald, Winfried G.
Éditeurs
Frankfurt am Main : Eichborn, 2001.
Format
388 S. : Ill., graph. Darst. Originalleinen mit Schutzumschlag.
Thème
Deutsche Literatur, Erz�ung
Jaquette
Non
Langues
Allemand
Dédicacée
Non
Premiére Edition
Non

Description

Gebraucht, aber sehr gut erhalten. - Ende September 1970, kurz vor Antritt meiner Stellung in der ostenglischen Stadt Norwich, fuhr ich mit Clara auf Wohnungssuche nach Hingham hinaus. �er Felder, an Hecken entlang, unter ausladenden Eichen hindurch, vorbei an einigen zerstreuten Ansiedlungen, geht die Stra� an die f�nfzehn Meilen durchs Land, bis endlich Hingham auftaucht, mit seinen unglei-chen Giebeln, dem Turm und den Baumwipfeln kaum aus der Ebene ragend. Der weite, von schweigenden Fassaden umringte Marktplatz war leer, doch brauchten wir nicht lang, um das Haus zu finden, das uns die Agentur angegeben hatte. Es war eines der gr��en am Ort; unweit der in einem Rasenfriedhof mit schottischen Pinien und Eiben stehenden Kirche lag es in einer stillen Stra� verborgen hinter einer mannshohen Mauer und einem dicht ineinandergewachsenen Geb�sch aus Stechholder und lusitanischem Lorbeer. Wir gingen die weit ausholende Einfahrt leicht abw�s und �ber den mit feinem Kies ebenm�g bedeckten Vorplatz. Zur Rechten, hinter den Stallungen und Remisen erhob sich hoch in den klaren Herbsthimmel ein Buchenstand mit einer Kr�nkolonie, die jetzt, am fr�hen Nachmittag, verlassen war, die Nester dunkle Stellen unter dem nur manchmal bewegten Bl�erdach. Die Fassade des breit hingelagerten klassizistischen Hauses war �berwachsen von wildem Wein, das Haustor schwarz lackiert. Mehrmals bet�gten wir den T�rklopfer, einen messingnen, geschwungenen Fischleib, ohne da�sich im Innern des Hauses etwas ger�hrt h�e. Wir traten ein St�ck weit zur�ck. Die Scheiben der zw�lffach unterteilten Fenster schienen alle aus dunklem Spiegelglas. Es war nicht, als ob irgend jemand hier wohnte. Und mir kam das Landhaus in der Charente in den Sinn, das ich von An-goul� aus einmal besucht hatte und vor dem zwei verr�ckte Br�der, der eine Deputierter, der andere Architekt, in jahrzehntelanger Pla-nungs- und Konstruktionsarbeit die Vorderfront des Schlosses von Versailles errichtet hatten, eine ganz und gar zwecklose, aus der Entfernung allerdings sehr eindrucksvolle Kulisse, deren Fenster geradeso gl�end und blind gewesen waren wie die des Hauses, vor welchem wir jetzt standen. Wir w�n gewi�unverrichteter Dinge wei-tergefahren, h�en wir uns nicht mit einem jener fl�chtigen Wechsel der Blicke gegenseitig den Mut gemacht, zumindest den Garten noch in Augenschein zu nehmen. Vorsichtig gingen wir um das Haus herum. An der Nordseite waren die Ziegel gr�n geworden, scheckiger Efeu bedeckte teilweise die Mauern, und ein moosiger Weg f�hrte am Dienstboteneingang und an den Schuppen f�r das Feuerholz vorbei durch tiefe Schatten und schlie�ich wie auf eine B�hne hinaus auf eine gro� Terrasse mit steinerner Balustrade, unterhalb derer ein weiter, quadratischer Rasenplatz lag, eingefa� von Blumenbeeten, Buschwerk und B�en. Jenseits des Rasens, nach Westen, �ffnete sich die Landschaft, ein Park mit einzeln stehenden Linden, Ulmen und immergr�nen Eichen. Dahinter die sanften Wellen der Acker und das wei� Wolkengebirge am Horizont. Sprachlos betrachteten wir lange diese in abfallenden und ansteigenden Stufen den Blick in die Ferne ziehende Anlage und glaubten ganz allein zu sein, bis wir in dem Halbschatten, der von einer hohen Zeder in der s�dwestlichen Ecke des Gartens auf den Rasen gebreitet wurde, eine regungslose Gestalt liegen sahen. Es war ein alter Mann, der den Kopf auf den angewinkelten Arm gest�tzt hatte und ganz versunken schien in den Anblick des Fleckchens Erde unmittelbar vor seinen Augen. Wir gingen quer �ber die Ra-senfl�e, die uns jeden unserer Schritte mit einer wunderbaren Leichtigkeit machen lie� auf ihn zu. Aber erst als wir uns ihm bis auf weniges gen�rt hatten, bemerkte er uns und erhob sich nicht ohne eine gewisse Verlegenheit. Obzwar gro�gewachsen und breit in den Schultern, wirkte er untersetzt, ja, man h�e sagen k�nnen, wie ein ganz kleiner Mensch. Es kam dies vielleicht daher, da�er, wie sich bald erweisen sollte, stets eine goldene Lesebrille mit Halbgl�rn trug, �ber deren Rand er mit gesenktem Kopf hinwegsah, wodurch ihm eine gebeugte, fast bittstellerische Haltung zur Gewohnheit geworden sein mu�e. � (S. 7 - 10) ISBN 382184714X
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